Wenn das Leben plötzlich stolpert
Unfälle gehören zum Leben – auch wenn wir alles tun, um sie zu verhindern.
Robin war noch unsicher auf den Beinen, als es passierte. Unser Hof ist steil, uneben und voller kleiner Herausforderungen – und genau das wurde ihm zum Verhängnis.
Er lief los, konnte nicht mehr bremsen, stürzte und überschlug sich direkt vor unserem Hoftor. Dort, wo auch noch harter Betonschotter liegt. Alles ging so schnell. Nur wenige Zentimeter neben mir – ich war sofort hinter ihm, aber ich konnte ihn nicht mehr rechtzeitig erreichen.
Zur Sicherheit fuhren wir sofort ins Krankenhaus. Eine Nacht mussten wir zur Beobachtung bleiben.
Zum Glück blieb es „nur“ bei Schürfwunden und einem ordentlichen Schreck.
Dieser Moment hat mir wieder gezeigt:
Man kann noch so gut aufpassen – es kann immer etwas passieren.

Sicherheit mit Bauchgefühl
Seit diesem Tag gehen wir neue Wege.
Mit einem Hüftgurt und einem Strick helfen wir Robin beim Bremsen – er kann weiterhin selbstständig laufen, aber wir haben die Möglichkeit einzugreifen.
Viele fragen mich, warum wir das machen.
Die Antwort ist einfach: Sicherheit.
Bei uns gibt es viel Verkehr – schneller, als man es einem kleinen Dorf zutrauen würde. Dazu kommen enge Straßen und steile Wege bergab. Warum es also unnötig riskieren?
Ich möchte ihm seine Freiheit lassen.
Seinen Entdeckerdrang nicht einschränken.
Aber ich möchte ihn auch schützen – ohne ständig eingreifen zu müssen.
Und genau das ermöglicht uns diese Lösung.
👶 Die Geburt von Henry – ein tiefer Einschnitt
Henry Alexander kam um 6:45 Uhr zur Welt – mit 2600 g und 44 cm 4 Wochen zu früh.
Doch seine Geburt war alles andere als das, was ich mir gewünscht hatte.
Der Kaiserschnitt hat mich psychisch tief getroffen.
Schon während der Operation musste ich weinen. Es fühlte sich nicht richtig an. Nicht nach mir. Nicht nach meinem Weg.
Alles ging viel zu schnell.
Henry wurde sofort abgenabelt – für mich viel zu früh. Später stellte sich heraus, dass er an Blutarmut litt und Sauerstoff brauchte. Meiner Meinung nach kam das vom sofort abnabeln.
Ich konnte ihn nicht einmal sehen. Er wurde direkt auf die Neo gebracht.
Als wir im Krankenhaus ankamen, war ich bereits 7 cm geöffnet.
Ich hatte keine Chance mehr, meine Wünsche zu äußern.

Getrennt, obwohl man zusammengehört
Mehr als vier Stunden lag ich im Aufwachraum.
Ich bewegte meine Beine unter der Decke, kämpfte mich zurück ins Gefühl – nur mit einem Gedanken: Ich will zu meinem Kind.
Ich durfte Henry kurz sehen, kurz stillen.
Dann bekam er Flaschennahrung – später sogar über eine Sonde.
Das war für mich schwer zu verstehen.
Vor allem, weil er anfangs gut an der Brust getrunken hatte.
Meine Hebamme bestätigte später meinen Eindruck:
Mit mehr Unterstützung beim Stillen hätte vieles anders laufen können.
Doch stattdessen wurde sondiert – oft genau dann, wenn ich kam.

Zwischen Körper und Seele
Ich sollte abpumpen, doch es funktionierte kaum.
Meine Psyche war erschüttert. Für mich war die Schwangerschaft noch nicht abgeschlossen. Henry war da – aber innerlich war ich es noch nicht.
Es fühlte sich an, als wäre ich irgendwo dazwischen.
Auch Robin reagierte.
Er wollte nicht zu mir, nicht kuscheln. Vielleicht war es zu viel für ihn – mich so zu sehen, an Schläuche angeschlossen.
Am zweiten Tag ging ich nach Hause.
Nicht, weil ich bereit war – sondern weil ich es musste.
Die Trennung von beiden Kindern war unerträglich.
Der Weg zurück zur Verbindung
Jeden Tag fuhr ich ins Krankenhaus.
Ich brachte abgepumpte Milch, verbrachte Zeit mit Henry, hielt ihn so viel wie möglich.
Mit einer eigenen Pumpe wurde es langsam besser.
Doch die ersten Tage waren geprägt von Zweifel, Tränen und diesem Gefühl:
Es ist noch nicht richtig.
Nach einer Woche durfte ich wieder ins Krankenhaus – diesmal gemeinsam mit Henry in einem Zimmer.
Man wollte testen, ob er ohne Sonde trinken kann.
In der ersten Nacht riss er sie sich selbst heraus.
Und ab diesem Moment blieb sie weg.
Ein kleiner, stiller Wendepunkt.
Zuhause beginnt Heilung
Anfangs nahm er etwas ab – im normalen Rahmen.
Kurz darauf durften wir nach Hause.
Und dort veränderte sich alles.
Ruhe. Nähe. Vertrautheit.
Henry nahm gut zu.
Das Stillen funktionierte plötzlich immer besser.
Ich bin überzeugt:
Mein Körper konnte erst loslassen, als meine Seele es konnte.

🌿 Mein Fazit
Ich habe drei Geburten erlebt – und jede war anders.
- Die erste: traumatisch und einsam
- Die zweite: heilend und wunderschön
- Die dritte: mein persönlicher Worst Case
Der Kaiserschnitt hat mich tief erschüttert.
Er hat Spuren hinterlassen – körperlich und seelisch.
Und trotzdem:
Heute sind beide Buben gesund.
Sie lachen, wachsen, entdecken die Welt.
Und am Ende…
ist genau das das Wichtigste.
Auch wenn der Weg dorthin nicht leicht war.

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