Die Geschichte unseres Hofes
Die Geschichte unseres Hofes beginnt etwa um 1854 mit der Familie Schweighofer, den Ur-Ur-Großeltern meines Mannes. Mittlerweile ist der Hof in fünfter Generation in Familienbesitz.
2010 übernahm mein Mann den Hof von seinem Großvater beziehungsweise seiner Mutter und modernisierte ihn behutsam. Früher war es der größte Hof in der Umgebung, doch einige Jahre vor der Übernahme wurde der Hof geteilt. Tiere gab es damals schon lange keine mehr.
Niemand hätte wohl gedacht, dass der Hof eines Tages ein zweites Leben mit all seinen Facetten feiern würde. Als ich Anfang 2021 hierherkam, war es eher ein normales Haus mit Hof und Obstgarten. Wir hätten damals nicht daran gedacht, das zu ändern – doch noch im ersten Jahr traf uns ein schwerer Schicksalsschlag: Mein Mann erlitt einen Schlaganfall, und das gerade mal mit 31 Jahren. Er war unfallbedingt, kein gewöhnlicher Schlaganfall. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete er in zwei Berufen: neben seinem festen Job war er selbstständig tätig.
Aber mal von Anfang an.
Wie alles begann – unsere Begegnung
Wir lernten uns über meinen damaligen Partner kennen und beim Reifenwechsel. Wir wechselten die Reifen und unterhielten uns anschließend mindestens zwei Stunden lang richtig gut. Vielleicht lag da schon etwas in der Luft – wer weiß.
Dann trafen wir uns zufällig an meinem Geburtstag in der „Kurve“, einem Beisl im Nachbarort. Auch dort hatten wir jede Menge zu lachen, und der Alkohol floss an diesem Abend wohl etwas großzügiger – lach.
Im Dezember 2020 trafen wir uns wieder bei mir. Aus einem Glas Wein wurden mehrere, und ehe wir es merkten, war es mitten in der Nacht. Wir redeten, lachten und verloren völlig das Gefühl für die Zeit.
Von da an schrieben wir uns regelmäßig – eigentlich täglich, mehrmals. Wir trafen uns öfter, und ich blieb oft bei ihm stehen, um ewig lange zu quatschen. Ende Jänner wurde ich von meiner Nachbarin zu einer Party eingeladen, und sie meinte, ich solle Michl doch einfach mitbringen. Gesagt, getan.
Dieser Abend veränderte alles. Wir kamen uns näher – und ja, das war der Tag, an dem alles begann. Anfangs war ich unsicher, weil ich nicht wusste, was er wirklich von mir wollte. Doch nach einem klärenden Gespräch wussten wir beide: Das hier war nicht nur ein Flirt. Es war der Anfang von etwas Echtem.
Herausforderungen mit meiner Tochter
Meine Tochter war davon zunächst gar nicht begeistert. Sie hasste es, dass ich wieder jemanden hatte, sie hasste den Hof, sie hasste den Ort – eigentlich hasste sie einfach alles. Sie war 15 Jahre alt und mitten in einer schwierigen Phase. Durch die Erfahrungen mit meinem Ex war sie bereits vorbelastet und geriet leider auch in falsche Kreise. Der damalige Wohnort machte die Situation zusätzlich kompliziert, da ihre so genannten „Freunde“ in unmittelbarer Nähe unserer Wohnung wohnten und der Einfluss dadurch ständig präsent war.
Es war ein Kampf mit ihr, einer, der mich oft an meine Grenzen brachte. Es gab Tage, da wusste ich nicht mehr, wie ich sie noch erreichen sollte. Besser wurde es, als sie im September ihre Lehre bei der Voestalpine in Krems begann. Plötzlich hatte sie weniger Zeit für ihre alten Freunde, mehr Struktur, mehr Verantwortung. Anfangs wollte sie oft hinschmeißen, doch ich setzte sie bewusst unter Druck – vielleicht härter, als es angenehm war –, um ihr klarzumachen, dass ein Abbruch Konsequenzen haben würde.
Corona verschärfte die Situation zusätzlich. Dieses ewige Einsperren belastete die Psyche vieler Menschen – nicht nur ihre. Das Thema Impfpflicht spaltete die Gesellschaft, Freundschaften zerbrachen, Familien wurden auseinandergerissen. Für Erwachsene war es schon schwer genug, aber für Jugendliche in einer sensiblen Phase noch viel mehr.
Über die Jahre wurde sie zum Glück wieder die Vanessa, die ich großgezogen habe. Heute verstehen wir uns sehr gut, auch wenn ich noch immer manchmal schimpfen muss. Mit 16 Jahren zog sie in ihre eigene Wohnung, beziehungsweise in ein kleines Reihenhaus, und seitdem verstehen wir uns tatsächlich viel besser. Der Abstand hat uns gutgetan. Natürlich gibt es noch kleinere Reibereien, aber sie hat inzwischen verstanden, dass unsere Kritik nie böse gemeint ist. Ein paar Dinge funktionieren noch nicht perfekt – aber na ja, da spielen eben auch andere Faktoren und Familienmitglieder mit hinein – lach.
Ein gutes Beispiel ist ihr Führerschein: Sie hat vor längerer Zeit begonnen, ist aber noch immer nicht fertig, weil sie schlicht zu wenig lernt. Theoretisch könnte sie längst fertig sein, doch sie steht sich – wie so oft – selbst im Weg. Wie ich ihr da noch helfen kann, weiß ich mittlerweile nicht mehr. Ich sage kaum noch etwas dazu, denn was bringt es? Meistens leider nichts.
